Widerständig in Verbindung – Seminar im Lila_Bunt

Es gibt schöne Neuigkeiten: Wir geben im September ein Seminar im queerfeministischen Bildungshaus Lila_Bunt
Widerständig in Verbindung
Somatische & traumasensible Tools für nachhaltigen Aktivismus

  • Zeitraum: 11. – 13.09.2026
  • Ort: lila_bunt, Prälat-Franken-Straße 22, 53909 Zülpich
  • Zielgruppe: Queere Menschen und Frauen
  • Personenanzahl: Maximal 17 Personen
  • Kosten: 240 – 450€
  • Anmeldung und weitere Infos findet ihr bei Lila Bunt

Worum geht`s?
In politischem Aktivismus erleben wir Konflikte, Diskriminierung und Gewalt. Diese Erfahrungen machen wir im politischen Außen aber auch innerhalb unserer Zusammenhänge.
Wie können wir als Kollektiv, Community oder Szene damit umgehen? Ohne, dass Menschen dabei ausbrennen oder rausfallen?
Wie können wir unsere Grenzen schon frühzeitiger bewusst wahrnehmen, kommunizieren und wahren?
Wie können wir gleichzeitig durchlässig und widerstandsfähig sein?
Wie können wir uns traumasensibel und (selbst)fürsorglich unterstützen?

Uns ist wichtig, Wege zu finden, die nicht in einem individuellen Abgrenzen und schließlich einer Selbstisolation enden. Wir wollen gemeinsam kollektive Strategien für mehr Widerstandsfähigkeit, Zärtlichkeit, Kraft und nachhaltigen Aktivismus entwickeln. Wir erforschen diesen Raum zwischen Sanftheit, Stärke und Sicherheit in Verbindung.
Dafür verbinden wir Impulse und Methoden aus der Community Accountability, Trauma-Arbeit, Wendo, somatischer Arbeit und (wer Lust hat) Contact Improvisation. Wir wollen voneinander lernen. Wir bringen mit, was uns selbst in den letzten Jahren geholfen und verändert hat. Durch Austausch, Bewegung, Körperwahrnehmung und andere Übungen schaffen wir einen Rahmen für gemeinsames Forschen über Verletzlichkeit, Resilienz und die Frage, wie wir unsere politischen Kämpfe so führen, dass sie nachhaltig und utopisch für uns selbst und unsere jeweiligen Kontexte sind. 

Wir freuen uns wenn ihr dabei seid!

Transformative Gewaltprävention: Multiplikator*innen-Fortbildung

Am 27.2.-1.3.2026 laden wir vom Bildungskollektiv fem*ergenz herzlich zu einer Fortbildung ein! Die Fortbildung richtet sich an Menschen, die im weitesten Sinne pädagogisch tätig sind und Lust haben, gemeinsam an anderen Wegen zu arbeiten, mit Gewalt umzugehen, eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen und Prävention transformativ zu denken. 

Die Fortbildung findet im Naturfreundehaus Hannover statt. Dank einer Förderung der Postcode Lotterie werden große Teile der Kosten übernommen, inkl. dem leckerem Essen im Haus. Es kommt lediglich ein freiwilliger Beitrag von ca. 20-30 € dazu, um unsere Kosten vollständig zu decken. Fahrtkosten müssen selbst übernommen werden, Bettwäsche kann selbst mitgebracht oder vor Ort bezahlt werden. 

Es gibt 13 Teilnahmeplätze. 
Wir freuen uns über Anmeldungen per Mail an femergenz@riseup.net

In der Fortbildung “Transformative Gewaltprävention” beschäftigen wir uns mit zwischenmenschlicher und sexualisierter Gewalt, Prävention und Möglichkeiten kollektiver Verantwortungsübernahme & transformativer Gerechtigkeit. 

“Transformative Gewaltprävention” entfaltet sich
1. aus der Analyse bestehender Macht- und Gewaltverhältnisse,
2. über das Verständnis individueller Verarbeitungsprozesse (Trauma),
3. hin zu kollektiven Handlungsoptionen und Transformationspotenzialen.

Zu Beginn nehmen wir eine macht- und strafkritische Perspektive auf Prävention ein: Welche Formen von Gewalt werden gesellschaftlich geduldet, welche sanktioniert – und wem dienen „präventive“ Maßnahmen eigentlich? Wir beleuchten Gewalt in ihren strukturellen Dimensionen und fragen, wie sich diese Dynamiken auch in unseren eigenen Arbeits- und Lebenskontexten widerspiegeln.

Im zweiten Schwerpunkt wenden wir uns der individuellen Ebene zu: Mit der Perspektive von Trauma und Dissoziation fragen wir, wie Menschen Gewalterfahrungen verarbeiten – und welche Bedingungen Heilungs- und Integrationsprozesse behindern oder ermöglichen. Daraus entwickeln wir ein Verständnis dafür, wie wir Betroffene, aber auch uns selbst und unsere Kontexte, in Bewältigungsprozessen unterstützen können.

Darauf aufbauend richten wir den Blick auf gemeinschaftliche Handlungsmöglichkeiten: Wie können wir Strukturen schaffen, die von vornherein widerstandsfähiger gegen Gewalt sind? Und wenn Gewalt geschieht –  wie wir damit umgehen, ohne auf Strafen zurückzugreifen? Mit Ansätzen der transformativen Gerechtigkeit, suchen wir nach Wegen, kollektive Verantwortung zu übernehmen, solidarisch zu handeln und gerechtere Formen des Miteinanders zu entwickeln.

In der Fortbildung arbeiten wir mit verschiedenen Formaten: (Kleingruppen-) Austausch, Selbstreflexion, Theatermethoden, Rollen- und Fallbeispiele. Wir wollen eine Atmosphäre schaffen, in der alle Körper entspannt da sein können. 

Referent*innen: Wir, Ele (dey), Nuan (keine Pronomen) und Saraina (sie) von fem*ergenz lernen seit Jahren von Transformativer Gerechtigkeit, die ihren Ursprung in aktivistischen, feministischen, queeren und Schwarzen Communities in den USA hat. Außerdem bringen wir durch Weiterbildungen Wissen aus WenDo, Traumapädagogik/-beratung und Sexualpädagogik mit. Wir sind alle drei weiß, nicht-behindert,  bildungsprivilegiert und queer positioniert.

Schutzkonzept für euer Kollektiv? Wir begleiten euch!

***UPDATE: Wir haben Kollektive gefunden! 🙂 ***

Im Rahmen unserer Projektförderung zur Transformativen Gewaltprävention können wir einem Kollektiv, einem Verein oder einer ähnlichen selbstorganisierten Struktur anbieten, in einem Umfang von 14 Workshop- oder Beratungsstunden bei der Entwicklung eines Schutzkonzeptes (fast)* kostenlos zu begleiten.

Was bieten wir an?
Schutzkonzepte sind eine institutionalisierte Formen von Gewaltprävention. Vielleicht habt ihr schonmal überlegt, eins für euch zu entwickeln oder die ersten Entwürfe liegen irgendwo in der Schublade? Oder nach einem internen Fall merkt ihr, dass es gut wäre, kollektive Vereinbarungen zu treffen, wie ihr in Zukunft damit umgehen wollt? Oder ihr arbeitet mit Kindern und Jugendlichen und seid eigentlich in der Verantwortung, ein internes Schutzkonzept zu haben?

Wann?
In der Zeit von September 2025 bis April 2026.

Für wen ist die Begleitung gedacht?
Als Kollektiv oder selbstorganisierte Struktur ist es gar nicht so einfach, ein Konzept zu entwickeln, was mit Hierarchiefreiheit, mit emanzipatorischen Ansprüchen und kritisch-politischen Haltungen (z.B. in Bezug auf Zusammenarbeit mit Polizei und staatlichen Institutionen) vereinbar ist.
Von großen Sozialverbänden „abschreiben“ geht in solchen Fällen nicht (und ist auch sonst nicht zu empfehlen!)
Wir möchten ein transformatives, lebendiges Schutzkonzept mit euch entwickeln – und dafür braucht es Zeit. Für uns ist es wichtig, dass sich eure emanzipatorische Haltung auch im Schutzkonzept wiederfindet. 

Und wie läuft das dann ab?
Wir vereinbaren ein Kennenlern-Gespräch, um eure Struktur und euren Stand der Dinge kennen zu lernen. Danach schauen wir, ob ihr mit dem Gesamtkollektiv arbeiten wollt, oder mit einer Kleingruppe, in längeren Live-Terminen oder kürzeren Online-Formaten. So, dass es zu eurer gemeinsamen Arbeitsweise und euren Kapazitäten passt. 

Wenn ihr euch davon angesprochen fühlt, fragt uns gerne an!
*In der Projektförderung sind die Honorarkosten enthalten, sodass vielleicht Fahrtkosten o.ä. anfallen

Transformative Gewaltprävention: 3-teilige Multiplikator*innen-Fortbildung

In dieser 3-teiligen Reihe wollen wir verschiedene Perspektiven auf Gewaltprävention einnehmen, um das Transformative herauszuarbeiten.

Der erste Teil unserer Reihe hinterfragt Prävention aus einer macht- und strafkritischen Perspektive: Inwiefern dienen „präventive“ Maßnahmen der Disziplinierung und Kontrolle statt echter Gewaltverhinderung? Wir beschäftigen uns mit der Frage, wo Gewalt eigentlich anfängt, was geduldet und was sanktioniert wird und stellen diese Deutungsmuster in einen diskriminierungskritischen Rahmen. Und wir fragen, wie sich diese Struktur auch in unseren eigenen Kontexten zeigt.

Im zweiten Teil unserer Reihe widmen wir uns der Frage, wie Gewalt-erlebnisse aus dissoziations-theoretischer Perspektive verarbeitet werden – und was für diese Verarbeitung und Integration hinderlich ist, sodass sich Trauma-folgen entwickeln. Daraus können wir lernen, wie wir uns selbst, andere und unsere Kontexte in solchen Bewältigungs- und Verarbeitungs-prozessen unterstützen können. Und wie die traumapädagogische Perspektive zentral zu einer präventiven Kultur beiträgt.

Der dritte Teil der Reihe beschäftigt sich mit der Frage, wie wir die Erkenntnisse der ersten beiden Teile integrieren können: Wie können wir nun kollektiv Bedingungen herstellen, die von vornherein widerstandsfähiger gegen Gewalt sind? Und wenn sie passiert – diese nicht duldet, aber Wege des Umgangs findet, der nicht auf Strafen zurückgreift? Mit Konzepten der transformativen Gerechtigkeit können wir Ansatzpunkte für gerechtere und solidarischere Formen des Umgangs mit Gewalt, Diskriminierung und Konflikten finden.

Würzburg, Spiegelstraße 15-17 (WüSL e.V.) (barrierefrei)
08.04., 22.04. und 06.05.2025 jeweils 17:00-20:00 Uhr

Die Reihe richtet sich an alle Menschen, die (sozial-)pädagogisch arbeiten und alle andere Interessierten! Wir empfehlen, an allen drei Workshops teilzunehmen. Die Teilnahme ist kostenlos.

Wir bitten um Anmeldung per Mail an: femergenz@riseup.net

Neue Förderung für Transformative Gewaltprävention!

Wir freuen uns, mit euch zu teilen, dass wir eine Projektförderung der Postcodelotterie von April 2025-2026 bekommen haben! Das ermöglicht uns, eigene Ideen und Projekte umzusetzen und Bildungsarbeit anzubieten an Stellen, wo eine Finanzierung oft schwierig ist.

Unser Projekt beinhaltet vier Bereiche:

(1) Wir können endlich wieder an Schulen Workshops anbieten. In zweitägigen Workshops möchten wir Betroffenenperspektiven stärken, an der Lebensrealität der Schüler*innen ansetzen und mit ihnen Wege entwickeln, wie sie gemeinsam Verantwortung übernehmen können, Gewalt zu verhindern oder so mit Gewalt umgehen können, dass betroffene Personen Sicherheit und Unterstützung finden.

(2) Außerdem bieten wir eine lokale (Würzburg) und eine überregionale Fortbildung für Multiplikator*innen an, die an emanzipatorischem, systemischem Nachdenken über Gewalt interessiert sind. Wir wollen gemeinsam ins Nachdenken kommen, wie wir Gewaltspiralen im pädagogischen Kontext unterbrechen können und Umfelder aufbauen können, die widerständiger gegen Gewalt sind. Dabei wollen wir uns intensiver mit kollektiver Verantwortungsübernahme beschäftigen.

(3) Schutzkonzepte sind institutionalisierte Formen von Gewaltprävention. Wir möchten mit unserer Förderung zwei Vereine, die hauptsächlich ehrenamtliche/aktivistische Arbeit machen und wenig finanzielle Mittel haben, im Prozess begleiten, ein transformatives, lebendiges Schutzkonzept zu entwickeln. Wenn ihr euch davon angesprochen fühlt, schreibt uns an!

(4) Zuletzt können wir nun endlich unsere Handreichung für Transformative Gewaltprävention drucken. Wenn ihr am analogen Lesen interessiert seid, meldet euch gerne per Mail. Zum Download als PDF geht es hier.

In Zeiten, in denen kritische Bildungsarbeit immer prekärer wird und wir mit Sorge auf die Tendenzen der Bildungspolitik schauen, sehen wir diese Förderung als großes Privileg an. 

Die Analyse ist gut, wir kommen nur zu anderen Schlussfolgerungen – Unser Verhältnis zu Schutzkonzepten

In dem Feld der sogenannten Schutzkonzepte ist viel Bewegung. 2023 hat die KMK (Kultusminister*innen-Konferenz) einen länderübergreifenden Leitfaden entwickelt, der als Orientierungspunkt für Schulen dienen soll. Bereits seit 2012 sind sie in „Einrichtungen der Jugend- und Wiedereingliederungshilfe“ gesetzlich vorgeschrieben (§§ 45, 79a SGB VIII). Auch im Ehrenamt hat sich in den letzten Jahren viel bewegt, sodass immer mehr Vereine Schutzkonzepte entwickeln.

Es ist gut, dass sich mehr und mehr Institutionen und Organisationen auf den Weg machen, strukturelle Umgänge mit Fällen von (sexualisierter) Gewalt zu finden. Der Hintergrund und der Anlass von Schutzkonzepten waren nicht nur die Missbrauchsfälle in großen Institutionen wie Kirche, Schulen, Jugendhilfeeinrichtungen, Internate, Sportvereine usw. sondern auch das Erkennen von Leerstellen im Strafrechtssystem in Fällen von sexualisierter Gewalt. Schutzkonzepte zeigen Organisationen auf, wie sie diese Leerstellen füllen können, welche Gestaltungsspielräume es (arbeitsrechtlich) gibt, wenn ein Verdachtsfall vorliegt. 

Allerdings hinterfragen Schutzkonzepte nicht grundsätzlich die Logik, die in Strafverfahren angewandt wird, sondern zeigen lediglich die Nachteile für betroffene Personen auf, z.B. der Zwang zur Aussage und die häufige sekundäre Viktimisierung im Strafverfahren, und wie daraus folgend betroffene Personen am besten davor geschützt werden können. Das ist wichtig, fraglich ist nur, ob es ausreicht.

Obwohl Schutzkonzepte in der Analyse häufig die sozialen und organisations-kulturellen Bedingungen in den Blick nehmen, reproduzieren sie in ihren Schlussfolgerungen häufig dann doch eine sehr individualisierte Logik von (sexualisierter) Gewalt. Am Ende stehen im Maßnahmenkatalog arbeitsrechtliche Verfahren gegenüber Einzelpersonen, z.B. die Verpflichtung zum Einreichen eines erweiterten Führungszeugnis etc. Das ist auch weiter nicht verwunderlich, weil es ja gerade mit den Logiken des (Straf-)Rechtssystem kompatibel sein muss. Einige Organisationen ruhen sich dann aber auf den vereinbarten Maßnahmen aus, ohne aktiv an der Veränderung der Bedingungen zu arbeiten – auch, weil es im Arbeitsalltag dann doch wieder als weniger relevant erachtet wird.

Organisationen, die einen emanzipatorischen Anspruch haben, übersehen diese Grundannahmen dann häufig. Nicht selten orientieren sie sich an vorhandenen Schutzkonzepten und Maßnahmenkatalogen, ohne diese darauf zu prüfen, ob sie mit den emanzipatorischen Werten und Zielen der Organisation übereinstimmen.

Durch die Beschäftigung mit Ansätzen der Transformativen Gerechtigkeit und Kollektiven Verantwortungsübernahme, sowie anderen Einflüssen aus der feministischen, emanzipatorischen Bewegung, wie z.B. dem Konzept „Definitionsmacht“, können wir solche Logiken, wie Straflogik und Individualisierung von Gewalt, radikaler in Frage stellen und dadurch viele weitere Handlungsmöglichkeiten eröffnen. 

Insbesondere bei der Analyse, welchen Einfluss das Umfeld zur Verbesserung oder Verschlimmerung der Gewalterfahrung für betroffene Personen einnimmt, müssen in der Schlussfolgerung Handlungsoptionen gefunden werden, die die gemeinsame Verantwortungsübernahme von Fällen von (sexualisierter) Gewalt stärkt. Denn ein gewalt- und diskriminierungssensibles, solidarisches Umfeld ist der wichtigste Präventionsfaktor.

Wir glauben, dass Organisationen Orte sein können, an denen ein anderer Umgang mit Gewalt geübt werden kann, der nicht zu mehr oder erneuter Gewalt führt. Ein Umgang, der „schon bei kleinen Grenzüberschreitungen“ eine klare betroffenen-solidarische Haltung praktiziert. Ein Umgang, der Menschen in der gemeinsamen Verantwortungsübernahme verbindet, anstatt zu trennen.

Also verknüpfen wir in unserer Arbeit verschiedene Ansätze, um ein möglichst umfassendes und emanzipatorisches Schutzkonzept zu erarbeiten. Schutzkonzepte können dann ein Rahmen für Lernprozesse und kollektive Aushandlungen sein. Sie können einen Rahmen geben, innerhalb dessen die aktive und kontinuierliche Arbeit stattfindet.

Transformative Gewaltprävention – Unsere Handreichung

Nach unserem inzwischen 2-Jährigen Projekt, in dem wir uns gefragt haben, ob und wie wir Präventionsansätze mit den Ansätzen der Transformativen Gerechtigkeit und anderen Einflüssen aus feministischer Bewegung, Traumatheorie und -pädagogik verbinden können, fließen unsere Erkenntnisse in einer Handreichung für (Sozial-)Pädagog*innen und alle, die sich aktiv mit Gewaltprävention in ihren Kontexten beschäftigen wollen, zusammen.

Ihr findet sie hier als digitale Version zum Download.

In der Handreichung zeigen wir unsere theoretischen Annahmen auf und teilen unsere Erkenntnisse aus dem Praxisprojekt, das in Form von Schulprojekttagen, Multiplikator*innenseminaren und einem Betroffenen-Empowerment-Workshop stattgefunden hat.

In der Zukunft wollen wir noch mehr mit (Sozial-)Pädagog*innen an unseren Erkenntnissen und Ansätzen weiterforschen und über die Schwierigkeiten austauschen, emanzipatorische Umgänge mit Gewalt innerhalb von engen institutionellen und tradierten Grenzen zu finden.

Awareness als Prozess

Warum Awareness keine Dienstleistung, sondern ein gemeinsamer Prozess ist

Awareness als Begriff und Konzept erlebt gerade einen regelrechten Aufschwung – heraus aus selbstorganisierten Strukturen in kommerziellere Räume und Organisationen. Auf der einen Seite könnte das ein Grund zur Freude sein – viele Clubs möchten ein sicherer Raum für feiernde Menschen sein und sind „gegen Sexismus, Rassismus, und jede Form der Diskriminierung”. Was wir in diesem Kontext aber leider oft erleben, ist ein äußerst verkürztes Verständnis von diesen Formen von Diskriminierung. Es wird angenommen, dass es die „bösen“ gewaltausübenden/diskriminierenden Menschen gibt, vor denen geschützt werden muss, und die „Guten”, zu denen wir selbst dazugehören. Dabei wird Übergriffigkeit als etwas „von Außen kommendes“ begriffen. 

Dieses (falsche) Selbstverständnis verhindert, über Gewalt und Diskriminierung in ihrer tatsächlichen Komplexität nachzudenken.

Dabei kann unserer Meinung nach eine nachhaltige Awareness-Struktur nur dort gedeihen, wo intern ein Wille für gemeinsame Lernprozesse besteht. Awareness ist der Versuch, innerhalb eines Systems, das beständig Gewalt und Diskriminierung produziert und reproduziert, diese anzuerkennen und Räume sicherer und inklusiver zu machen für die Menschen, die von Gewalt und Diskriminierung betroffen sind – durch die Veränderung und den Aufbau von Strukturen. 

Der erste Schritt ist aus unserer Perspektive die Anerkennung, dass wir alle in dieses System eingebettet sind und dementsprechend auch alle selbst Gewalt ausüben und diskriminieren (können) – innerhalb und außerhalb unserer Teams.

Das bedeutet für Clubs/Institutionen, dass diese die Bereitschaft mitbringen, die eigenen internen Strukturen machtkritisch anzuschauen und zu erkennen, wo sie selbst Gewalt und Diskriminierung reproduzieren oder zumindest begünstigen. Wer trifft Entscheidungen, wie transparent sind die Strukturen? Gibt es eine lebendige Kritik-und Fehlerkultur? Wie werden Gewinne verteilt? Wie barrierefrei ist die Umgebung? Wer ist nicht da? Wie wird innerhalb des Teams damit umgegangen, wenn es zu Übergriffen kommt? 

Awareness ist für uns nicht in erster Linie ein Handlungsbegriff, sondern beschreibt eine sensibilisierte Wahrnehmung für die strukturellen Bedingungen von Gewalt und Diskriminierung.

Welche Praxis folgt aber daraus? 

Wenn ein Bewusstsein dafür entstanden ist, wo und wie Gewalt passiert, dann können wir Strukturen aktiv abbauen, die Gewalt begünstigen, und Strukturen aufbauen, die präventiv sind. Prävention funktioniert unserer Ansicht nach nicht durch Abschreckung (mehr dazu in unserer Handreichung Transformative Gewaltprävention), sondern im Gegenteil durch solidarische Beziehungen, kritischer (Selbst-)Reflexion, und Aufbau von unterstützenden Umgangsweisen. Dazu gehört auch der Umgang mit entstandener Gewalt und alle Formen von Diskriminierung. 

Dieses Awareness-Verständnis steht einer in unseren Augen immer stärker werdenden Dienstleistungs-Mentalität gegenüber, in denen Clubs/Institutionen externe Awareness-Teams engagieren und daneben nichts an ihrer Struktur verändern wollen. Egal, wie unterstützend die Arbeit der Awareness-Teams dann ist – solange sich nichts an den Machtverhältnissen verändert, wird Diskriminierung und Gewalt nicht nachhaltig abgebaut. Damit schließen wir uns auch den Analysen des Awareness-Instituts an. 

Ähnlich verhält es sich damit, dass man einen Workshop zu Awareness organisiert und das Thema dann als abgeschlossen ansieht. „Awareness” sollte also aus unserer Perspektive ein eigener, ernstgemeinter Lern- und Veränderungsprozess sein. Dieser Prozess ist nie abgeschlossen, schließlich haben wir alle nie ausgelernt.

Fördertopf für Prozessbegleitungen

Wir freuen uns, dass wir Teil vom „Fördertopf für machtkritische Bildung und Prozessbegleitung von politischen Gruppen“ in Bezug auf Diskriminierung und Gewalt innerhalb der eigenen Strukturen sind. Der Fördertopf ermöglicht es linken Gruppen, eine Prozessbegleitung in Anspruch zu nehmen, auch wenn die Finanzierung nicht oder nur zu einem Teil selbst gestemmt werden kann. Schaut für mehr Infos und weitere prozessbegleitende Kollektive auf die Homepage des Fördertopfes!

Wir als fem*ergenz beschäftigen uns hauptsächlich mit kollektiven emanzipatorischen Umgängen mit sexualisierter Gewalt, bzw. wenn sexualisierte Gewalt in der eigenen Struktur benannt wurde. Wir suchen nach Umgängen, die sich an den Bedürfnissen der_den betroffenen Person_en orientieren, die auch die Bedürfnisse und Verletzungen aller Beteiligten in den Blick nimmt und nach Formen der Bewältigung und nachhaltigen Aufarbeitung sucht. Ziel ist es, Wiedergutmachungen zu finden und resilientere, präventivere und nachhaltigere Strukturen aufzubauen.

Wir sind ausdrücklich offen für Anfragen bei Fällen, die sich entlang mehrerer Diskriminierungslinien ziehen.

Wenn ihr eine Gruppe seid, die eine Prozessbegleitung im Umgang mit Gewalt und Diskriminierung in den eigenen Reihen braucht, aber keine Möglichkeit für eine Finanzierung habt, könnt ihr beim Fördertopf niederschwellig einen Antrag auf Übernahme der anfallenden Kosten stellen. Dadurch wird der Prozess (teil-)finanziert!

Ein fettes Danke geht raus an die Initiator*innen des Fördertopfes! ❤