Umgang mit sexualisierter Gewalt

Sexualisierte und andere Formen zwischenmenschlicher Gewalt (häusliche, psychische, verbale…) kommen überall vor. Die meiste Gewalt passiert in nahen Beziehungen, aber auch innerhalb von Organisationen, Institutionen und im öffentlichen Raum.

Der gesellschaftliche Umgang mit sexualisierter Gewalt ist weiterhin stark von „Rape Culture“, also der Verharmlosung von sexualisierter Gewalt, oder Victim Blaming (Täter-Opfer-Umkehr) geprägt. Dieser Umgang ist in vielen Fällen internalisiert (verinnerlicht), selbst wenn Menschen sich nicht bewusst dazu entscheiden, auf Fälle sexualisierter Gewalt mit Abwehr, Ignoranz und Verharmlosung zu reagieren.

Gleichzeitig wirken in sozialen Zusammenhängen oft Gefühle der Überforderung, Ohnmacht, Angst, Unsicherheit, wenn Fälle sexualisierter Gewalt benannt werden.

Als Bildungskollektiv versuchen wir, verschiedene Erkenntnisse aus emanzipatorischer, feministischer, traumatheoretischer- und pädagogischer Perspektive zu verbinden.

Jeder Workshop zu diesem Thema ist anders. Wir arbeiten nah an den Bedürfnissen und Situationen der anfragenden Gruppen, Organisationen, Institutionen oder Kontexte. Die unten stehenden Workshops sind beispielhafte Beschreibungen.

Workshop: Kollektiv-emanzipatorischer Umgang mit sexualisierter Gewalt im eigenen Umfeld

Der Workshop ist ein Einstiegsworkshop für selbstorganisierte Gruppen, die nach kollektiven und emanzipatorischen Umgängen mit sexualisierter Gewalt suchen. Wir diskutieren die gesellschaftlichen Bedingungen, in denen sexualisierte Gewalt stattfindet (Rape Culture) und welche der darin verankerten Mechanismen wir internalisiert haben. Über Ansätze wie Definitionsmacht und Parteilichkeit lassen sich Wege finden, einen Umgang mit sexualisierter Gewalt zu finden, der nicht noch mehr Gewalt für betroffene Personen bedeutet, sondern im besten Fall dazu befähigt, gewaltbetroffene Personen bei der Wiederherstellung von Sicherheit und Handlungsmacht zu unterstützen.

Workshop: Umgang mit sexualisierter Gewalt im Kontext Uni – Empowerment und Unterstützung

Was tun, wenn ich als Studierende*r oder Beschäftigte*r an der Universität (o.ä.) sexualisierte Gewalt erlebe oder miterlebe? Im akademischen Kontext wirken verschiedene Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse, die einerseits Gewaltausübung begünstigen, andererseits Unterstützung und Konsequenzen erschweren.
Im Workshop suchen wir deshalb gemeinsam Antworten auf die Fragen:
Was sind meine Ressourcen?
Wie erkenne und benenne ich, was eine Grenzüberschreitung ist?
Was sind Handlungs- und Interventionsmöglichkeiten (individuell und kollektiv)?
Wie kann ich in solchen Situationen auf mich selbst achten und mich vor negativen Konsequenzen schützen?
Wie kann ich für betroffene Personen da sein?

Workshop: Frühwarnsystem – Täter*innenstrategien durchschauen und eigene Grenzen schützen

Sexualisierte Gewalt fängt häufig sehr viel früher an, als wir es ahnen können. Oftmals beginnt es mit einem „harmlosen Kompliment“. In dem Workshop wollen wir uns mit Manipulations- bzw. Täter*innenstrategien und Anzeichen für gewaltvolle Beziehungen beschäftigen und diese in einem Kontext ungleicher Machtverhältnisse betrachten. Dieses Wissen wirkt sowohl präventiv als auch als Einordnung von Gewalterfahrungen.
Auf welche Ressourcen können wir zurückgreifen, wenn wir in solche Abhängigkeiten geraten? Wie können wir unsere Grenzen besser spüren und uns selbst vertrauen? Was können wir tun, um unser Selbstwert zu stärken und sichere Beziehungen eingehen zu können?
Ziel des Workshops ist es, stärkendes Wissen, selbstfürsorgliche Praxen und solidarisches Handeln zu vermitteln.

Workshop: Was sexualisierte Gewalt mit uns macht – Über Folgen und Umgänge mit Emotionen

Wenn Fälle sexualisierter Gewalt innerhalb der eigenen Zusammenhänge sichtbar werden, ist der Umgang damit oft durch Ohnmacht, Angst, Überforderung, Anstrengung und Konflikte bis hin zu Spaltung gezeichnet. Emotionen sind selten Bestandteil von Diskussionen, wie im eigenen Umfeld nun richtig gehandelt werden sollte. Dabei wirken Emotionen dort besonders heftig und führen immer zu Handlungsimpulsen – und diese sind nicht unbedingt zielführend.

Der Workshop will den Fragen nachgehen: Was löst die Emotionen aus? Welche Fähigkeiten benötigen wir, um mit den ausgelösten Emotionen und Dynamiken umgehen zu können? Welche (unbewussten) Verhaltensweisen begünstigen oder verstärken Gewalt? Wie können wir sie verändern? Welche Ressourcen haben oder benötigen wir in solchen Krisen?
Emotionales Bewusstsein, Selbstfürsorge und Fürsorge-Arbeit können sich dann als grundlegende Schlüssel für einen betroffenenorientierten gemeinsamen Umgang erweisen.