Glossar

An dieser Stelle entsteht ein Glossar, das Fachbegriffe oder unbekannte Wörter erklärt, die wir in unserer Arbeit verwenden. Für ein ausführliches Glossar rund um queer*feministische Begriffe besucht doch mal Queer-Lexikon! Für ein noch ausführlicheres Glossar rund um Begriffe im Kontext von Awareness und Intersektionalität: das Awarenessglossar von @wirmuesstenmalreden!

Awareness

Awareness (englisch für „Achtsamkeit“) beschreibt für uns die Sensibilität für gesellschaftliche Diskriminierungsstrukturen, also Benachteiligungen aufgrund von z.B. race, gender, class, und Privilegien, also Bevorteilungen derselben sog. „Sektionen“, die für Personen identitätsstiftend sind. Als Grundhaltung ist Awareness eine Voraussetzung, um soziale Ungleichheiten erkennen zu können und dadurch erst verändern zu lernen; indem wir beispielsweise unsere eigene Sprachweise reflektieren und rassistische oder sexistische Begriffe nicht (mehr) verwenden.

Emergenz

Emergenz (lateinisch emergere „Auftauchen“, „Herauskommen“, „Emporsteigen“) bezeichnet die Möglichkeit der Herausbildung von neuen Eigenschaften oder Strukturen eines Systems infolge des Zusammenspiels seiner Elemente. Dabei lassen sich die emergenten Eigenschaften des Systems nicht – oder jedenfalls nicht offensichtlich – auf Eigenschaften der Elemente zurückführen, die diese isoliert aufweisen.

Die Emergenz entsteht in den meisten Fällen auf Basis der spontanen Selbstorganisation. Das Konzept der emergenten Selbstorganisation kann man folgendermaßen beschreiben: Mehrere, viele oder sehr viele Elemente verbinden sich auf der Basis ihrer Wechselwirkungen, die meist nur zwischen den nächsten Nachbarn wirken, spontan zu Systemen mit bestimmten neuen Strukturen, Eigenschaften und Fähigkeiten. Der Grund dafür sind Rückkopplungen in den emergenten Prozessen und als deren Folge nichtlineare Abläufe und die Komplexität der Systeme.

Intersektionalität

Intersektionalität (von englisch intersection „Schnittpunkt, Schnittmenge“) beschreibt die Überschneidung und Gleichzeitigkeit von verschiedenen Diskriminierungskategorien gegenüber einer Person. Bei der Intersektionalität tauchen Diskriminierungsformen wie Rassismus, Antisemitismus, Antimuslimischer Rassismus, (Hetero- und Cis-)Sexismus, Antifeminismus, Homofeindlichkeit, Transfeindlichkeit, Ableismus, Altersdiskriminierung oder Klassismus nicht isoliert voneinander auf, sondern werden in ihren Interdependenzen und Überkreuzungen (englisch intersections) betrachtet. Sie addieren sich nicht nur in einer Person, sondern führen zu eigenständigen Diskriminierungserfahrungen. So erfährt beispielsweise eine schwarze, lesbische Person im Alltag Rassismus, Cis-Sexismus und Homofeindlichkeit, wobei die jeweiligen Diskriminierungsformen sich nicht addieren, sondern neue, eigene Formen der Diskriminierung hervorbringen. Der Fokus liegt also auf den Wechselbeziehungen der Diskriminierungskategorien.

Konsens

Konsens bedeutet zunächst die übereinstimmende Meinung von Personen zu einer bestimmten Frage ohne verdeckten oder offenen Widerspruch. Konsens hat in unserer Arbeit mindestens zwei Dimensionen: 1. Konsens im Alltag, in persönlichen und insbesondere sexuellen Beziehungen und 2. Konsens als Entscheidungsfindung in Gruppenprozessen.

  1. Wenn wir von (Alltags)Konsens sprechen, meinen wir, dass jede Person selbstbestimmt entscheiden kann, was sie gerade (nicht) will. Eine hilfreiche Zine zum Thema Konsens insbesondere in interpersonellen Beziehungen findet ihr hier.
  2. Wenn wir von Konsens als Entscheidungsfindung in Gruppenprozessen oder Organisationen sprechen, meinen wir, dass alle Personen möglichst gleichwertig in Entscheidungsprozesse mit eingebunden wird. Im Gegensatz zum sog. Mehrheitsentscheid werden dabei die Stimmen wirklich aller Beteiligten gehört und niemand überhört. Konsens produziert dabei keine „Gewinner*innen“ und „Verlierer*innen“ von Entscheidungen, sondern möglichst solche, die alle Beteiligten mittragen.