Selbstorganisiert auf dem Weg in ein Gutes Leben für Alle.

Es ist zwar nicht möglich, unsere Analyse von Welt vollständig wieder zu geben, aber wir wollen mit diesem Beitrag eine kleine Einordnung geben, wo wir uns verorten und warum wir glauben, dass gesellschaftliche Veränderung nur gemeinsam und „von unten“ bewirkt werden kann.

Unsere Analyse fußt auf einer Kritik an gesellschaftlichen Verhältnissen des individualistischen neoliberal-kapitalistischen Systems, das durch gesellschaftliche Diskriminierungs-, Unterdrückungs- und Ausbeutungsmechanismen stabilisiert wird.

Dies Kritik am Individualismus greifen wir auch in unserer politischen Bildungsarbeit auf. Zum Beispiel werden typischerweise in Bildungskontexten für sogenannte „nachhaltige Entwicklung”, „globales Lernen“ oder „Antidiskriminierungs-Bildung“ Bildungsziele oftmals nur auf das Individuum formuliert: Wir sollen nachhaltig(er) oder „fair“ konsumieren, unser individuelles Verhalten ändern, unsere „individuellen“ Vorurteile gegenüber marginalisierten Personengruppen abbauen usw.

Individuelle Verhaltens- und Einstellungsänderung ist wichtig. Aber nur der erste Schritt.

Wenn wir anfangen, die Strukturen (Institutionen, politischen und wirtschaftlichen Systeme,…) zu hinterfragen, die soziale Ungleichheit und Ungerechtigkeit hervorbringen, können wir sie nicht dadurch verändern, dass wir innerhalb dieser ungerechten Systeme bessere Menschen werden. Deswegen sind wir der Meinung, dass wir auch die strukturellen Ebenen von sozialer Ungleichheit mit-adressieren müssen und uns gemeinsam fragen, wie auf der Struktur-Ebene Veränderung gelingen kann.

In einem kollektiven Lern- und Arbeitsprozess ergeben sich immer auch Strukturen. Dort können wir ansetzen: Wie können wir unsere eigenen Strukturen nachhaltiger, gerechter, solidarisch gestalten? Wie wollen wir miteinander umgehen und kommunizieren, damit sich alle wohl fühlen? Individuelle & kollektive Verhaltens-/ Einstellungsveränderung und Strukturveränderung sollte dabei Hand in Hand gehen.

Wir haben vielleicht keine einheitliche Transformationstheorie (Theory of change), sind aber gemeinsam davon überzeugt, dass es eine Vielzahl von Ansätzen zur Transformation braucht. Gleichzeitig funktioniert eine Idee von Transformation auch nicht ohne eine Utopie, auf die sie abzielt, auf die sie sich ausrichtet.

Uns verbindet der Wunsch, dazu beizutragen, ein Gutes Leben für Alle mit zu ermöglichen. Aber: Wer sind alle? Wen haben wir (nicht) mit im Blick? Um die Kategorie „alle“ immer wieder erweitern zu können, ist es für uns wesentlich, unsere Perspektive auf gesellschaftliche Marginalisierung und Diskriminierung zu lenken.

Wir glauben, dass der Weg zu einem Guten Leben für Alle über eine basisdemokratische Selbstorganisierung führt. Ganz im Sinne der Emergenz spielt sie sich auf allen Ebenen ab und findet sich in der nächst kleineren oder größeren Ebene wieder: Egal ob Basis-Polit-Gruppe, Bündnis oder gar im basisdemokratischen Konföderalismus.¹ Basisdemokratie bedeutet dabei für uns, dass alle mitentscheiden können sollten. Bei politischen Fragen, z.B. um die Verteilung materieller Ressourcen aber auch Arbeitsteilung usw. Basisdemokratie bedeutet für uns auch, dass es immer eine gewisse Ergebnisoffenheit geben muss; also dass eine Frage nicht schon die Antwort voraussetzt. Diese Ergebnisoffenheit versuchen wir auch in unserer Bildungsarbeit zu integrieren: Wir haben keine „richtigen Antworten“, es geht darum, gemeinsam Antworten auf Fragen zu finden, die uns bewegen. Weil wir glauben, dass es keine vorgefertigte unumstößliche Lösung gibt, die von einigen Menschen entworfen werden kann. Die besten Lösungen für alle finden sich, umso mehr Perpektiven mit einfließen.

Unsere Utopie, unsere konkrete Vorstellung vom Guten Leben für alle, wird dadurch ein Kompass, eine Orientierungshilfe, die sich auf dem Weg immer wieder aktualisiert.

Abschließend finden wir auch, dass der Weg bereits das Ziel beinhalten sollte. Wir wollen schon jetzt eine utopische Praxis üben; mit unseren Handlungen, Bildungen, Aktionen einen utopischen Überschuss produzieren. Dafür braucht es solidarische Beziehungsweisen und Lebensformen im Hier und Jetzt.

¹ Zum demokratischer Konföderalismus als gelebte Utopie wollen wir an dieser Stelle auf das autonome Gebiet Rojava in Kurdistan/Nord-Ost-Syrien verweisen.

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